Germanic Languages | Colloquium
G625 | 11680 | K. Schultz


Topic: "Interpretations-Linien im deutschen Musiktheater seit 1945“

In kaum einer Zeit haben sich die Bemühungen um Ursprung und Ziele
von Theater-Interpretation so energisch in unterschiedliche
Kraftfelder begeben wie während der sechs Jahrzehnte seit Ende des
Krieges. War es zum einen die Befreiung von doktrinären Prinzipien,
wie sie die herrschende Kulturpolitik zwischen 1933-1945
praktizierte, so war es auch die Bemühung, die Fäden des neuen
Theaters der zwanziger Jahre weiter zu verfolgen und weiter zu
entwickeln. In unmissverständlicher Weise ist das heute so
umstrittene „Regie-Theater“ ein Geschöpf des deutschen Theaters und
seiner Rezeption durch Wissenschaft, Feuilleton und Publikum. Im
Bereich des Musiktheaters entstehen dabei besonders interessante
Fragen.

Neue Definitionen des Werk-Begriffes standen dabei über allen
profilierten Stilrichtungen des Schauspiel- wie des Operntheaters,
ob es das „Realistische Musiktheater“ Walter Felsensteins an der
Komischen Oper in Ost-Berlin war, Wieland Wagners Vorstellung eines
von psychologischen Symbolbegriffen C. G. Jungs
beeinflussten „mythischen“  Regie-Theaters  oder spätere Formen des
Regie-Theaters, die mit den beiden Stilrichtungen der 50er Jahre
nichts mehr zu tun haben wollten.
Fragen wie: „Was ist ein Werk?  Ist es eine feststehende Einheit
oder verwandelt es sich stets unter dem neuen Blick des Interpreten?
Welche Konsequenzen hat dies für die Komposition und Interpretation
durch die Dirigenten, Orchester, Chöre und Solisten?

Während der acht Wochen von Mitte September bis Mitte November soll
ein Weg  verfolgt werden, der bis in die Gegenwart unserer Tage
führen wird. Fragen, die von den Autoren gestellt werden, solche,
die von ihren Interpreten aufgeworfen und beantwortet werden und
Einwände wie Ablehnung des Opernpublikums werden zu reflektieren
sein.

Der Kurs wendet sich an Studentinnen und Studenten, die in diesen
Fragen und Beispielen eine  Spur erkennen, die in einen besonders
wichtigen Bereich des deutschen Kulturverständnisses führt.

Zum Abschluss werden sich die Teilnehmer für schriftliche Arbeiten
entscheiden, in denen  verschiedene Aspekte unseres Kolloquiums
anhand von  Einzelfragen weiterverfolgt werden.