Germanic Languages | Colloquium: Deutsche Nobelpreisträger in Literatur
G625 | 2604 | Albrecht Holschuh


G625   Colloquium: Deutsche Nobelpreisträger in Literatur
	

Es lohnt sich manchmal querzufragen, also von außerhalb der
herrschenden Diskurse und quer hindurch.  Ein Stöbern auf unbegangenen
Pfaden macht nicht nur Spaß; manchmal öffnet es neue Ausblicke auf
eine bekannte Landschaft.  Die Frage nach den Nobelpreisträgern
berührt Zeitgeist, Kulturindustrie, Literaturgeschichte, Kanonbildung,
ästhetische Bewertung, Politik und überhaupt das Verhältnis von Kunst
und Gesellschaft.

Seit hundert Jahren (1901) gibt es den Nobelpreis in Literatur.  Wie
oft fiel er auf Autoren deutscher Sprache?  Mann, Hesse, Böll,
Grass–waren da nicht noch ein paar andere?  Jemals von Spitteler
gehört, Eucken, Mommsen, Heyse?  Elf sind es insgesamt, fünf in den
ersten zwanzig Jahren und fünf in den letzten siebzig (davon nur zwei
mit deutschem Pass).

Was ist der Nobelpreis?  Wie wird er verliehen?  Warum werden einzelne
Autoren kanonisiert und andere vergessen?  Wie gut haben sie
eigentlich geschrieben, auch die vergessenen?  Und was haben sie
überhaupt geschrieben?  Wie fügen wir die Preisträger in die
Literaturgeschichte?  Was sagen die Preisentscheidungen und die
spätere Entwicklung über den sich wandelnden Geist der Zeit?

Grundlage aller soliden wissenschaftlichen Arbeit bleibt die
Untersuchung des Materials, die Arbeit an den Texten.  In diesem
Kolloquium lesen wir nicht alle durchweg die gleichen Texte.  Es gibt
daher keine Textbuchliste, sondern höchstens eine vervielfältigte
Sammlung.

Jeder Teilnehmer wird der Gruppe einen oder mehrere Texte und einen
oder mehrere Preisträger vorstellen–erst mündlich, dann in kurzen
Aufsätzen auf Deutsch oder Englisch.  Wenn wir Glück haben, wird
daraus eine Sammlung, die auch andere interessieren kann.  Das ist das
Ziel.